Family Office in der Praxis - Moers
Clubabend - Ulrich Dickel: Family Office in der Praxis

Einleitend stellte Präsident Dieter Themann (links) den Referenten des Abends, Ulrich Dickel, vor, der in Köln und Freiburg Betriebs- und Volkswirtschaftslehre studiert hat. Er lebt mit seiner Frau und drei erwachsenen Kindern in Moers. Herr Dickel gehört zu den Mitbegründern des Organisationsforums Wirtschaftskongress (OFW) e.V. an der Universität Köln, der jedes Jahr den World Business Dialogue veranstaltet: einer der weltweit internationalsten von Studierenden organisierten Wirtschaftskongresse.
Herr Dickel ergänzte dazu, dass sich der Kongress 1987 bereits mit dem Thema „Weltraum als Markt“ und der Kongress 1989 mit dem Thema KI beschäftigt haben.
Herr Dickel hat beruflich lange Zeit für die Firma Haniel im Bereich Mergers & Acquisition/ Corporate Development gearbeitet und ist heute Managing Director eines Single Family Offices.
Family Offices betreuen vermögende Unternehmer, die ihr Vermögen langfristig sicher anlegen wollen und dabei in Generationen denken. Grundsätzlich können Single Family Offices, Multi Family Offices und Embedded Family Offices unterschieden werden.
Bei Single Family Offices wird meist eine vermögende Familie betreut. Daher sind sie durch maximale Individualisierung, Kontrolle und Vertraulichkeit gekennzeichnet. Bei Multi Family Offices stehen mehrere Familien hinter dem zu betreuenden Vermögen (Beispiel Haniel, Siemens etc).
Embedded Family Office sind i.d.R. im Familienunternehmen integriert oder stehen diesen nahe. Hier besteht allerdings das Risiko einer Rollenvermischung zwischen Unternehmensführung und Vermögensverwaltung.
Es gibt nicht das Standardmodell für ein Family Office. Entscheidend ist die Vermögenskonstellation, die Kontrollbedeutung und die gewünschte Infrastruktur. Weltweit gibt es schätzungsweise 8.000 Family Offices, in Deutschland sind es 1.300. Sinnvoll ist ein Family Office ab einem Vermögen in der Größenordnung eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrages.
Die Motive ein Family Office einzurichten, liegen in der Regel darin, dass mehrere Vermögenswelten (Familienunternehmen, andere Vermögenswerte etc.) vorliegen, mehrere Generationen in der Familie, eine gewünschte Koordination der Komplexität, der Wunsch das vorhandene Vermögen zu schützen und häufig der Wunsch der Familienmitglieder ein normales Leben führen zu können.
Daher ist die Vertraulichkeit in Family Offices ein hohes Gut. Basis des zu verwaltenden Vermögens ist i.d.R. ein Familienunternehmen, aus dem heraus andere Vermögenswerte aufgebaut werden.
Das Family Office als Steuerungszentrale hat einen großen Strauß von Themen zu managen. Dazu gehören das Liquiditätsmanagement, die Steuerung der Beteiligungen, der Kontakt zu Banken und anderen Business-Partnern, die Betreuung von Immobilien, Kunstobjekten und ggf. Stiftungen, die Befassung mit Rechts- und Steuerthemen einschließlich der Nachfolgeplanung, Governance-Themen, Sicherheit und Krisenmanagement und der Kontakt zur Wissenschaft und Venture Capital als Brücke zu Zukunftsfeldern.
Das Family Office ist also Dienstleister für die Familie im weitesten Sinne.
Präsident Dieter Themann bedankte sich bei Herrn Dickel für den interessanten und kurzweiligen Vortrag.


