Clubabend des Lions Club Moers vom 09.02.2026 - Moers
Klaus Zok: Moerser Töpfe

Eingangs stellte Club-Präsident Dieter Themann den Referenten des Abends, Herrn Klaus Zok, den Anwesenden kurz vor: Klaus Zok hat an der Ruhr-Universität Bochum Geschichte und Sozialwissenschaften studiert und arbeitete dort an verschiedenen Lehrstühlen. Seit 1992 arbeitet der als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Wissenschaftlichen Institut der AOK. Seit Jahren beschäftigt er sich mit der Moerser Geschichte und insbesondere mit zivilen Luftschutzbauten.
Zu Beginn seines Vortrages zeigte Herr Zok kurz die Geschichte des zivilen Luftschutzes auf: Nach den Erfahrungen des ersten Weltkrieges beschloss die deutsche Reichsregierung bereits im Jahre 1927 Maßnahmen für den zivilen Luftschutz. Gemäß den erlassenen Ausführungsbestimmungen des Luftschutzgesetzes vom 26.06.1935 wurde jeder Deutsche „luftschutzpflichtig“ und hatte sich in Fragen des Luftschutzes ausbilden zu lassen. Das Luftschutzgesetz verlangte gas-, trümmer- und splittersichere Luftschutzräume in endgültiger Bauweise. Die Planung und der Bau von Luftschutzbunkern geschahen auf der Grundlage eines Führerbefehls: eines Luftschutz-Sofortprogramms vom 10.10.1940.
Klaus Zok zeigte einige Bilder von zivilen Luftschutzbauten aus dem 2. Weltkrieg und die Auswirkungen des Luftkrieges für Moers, in dem Moers 150 zivile Opfer zu beklagen hatte. Hier wurden 535 Wohnhäuser wurden zerstört. In Meerbeck war der Zerstörungsgrad noch einmal deutlich größer, da vor allem das Treibstoffwerk des Steinkohlenbergwerks Rheinpreußen auf dem Gelände von Schacht V das Ziel war..
Während des Zweiten Weltkrieges wurden auch im Raum Moers an zahlreichen Stellen freistehende zivile Luftschutzbauten errichtet. Im Vergleich zu den großen Luftschutzanlagen in Form von massiven Hoch- und Tiefbunkern in größeren Städten und Industriestandorten sind die kleineren Bauformen vorwiegend ganz oder teilweise unter der Erdoberfläche angelegt worden. Neben einigen noch erhaltenen kleinen Splitterschutzbauten (sogenannte „Spitz-“ und „Einmannbunker“), Luftschutz-Deckungsgräben und -Stollen sowie einem Hochbunker auf einem Werksgelände in Meerbeck sind dies vor allem Luftschutz-Rundbauten mit der Bezeichnung „Moerser Topf“.
Die Stadt Moers mit ihren rund 30.000 Einwohnern (gemäß Volkszählung von 1939) war damit auf die Maßnahmen des Selbstschutzes angewiesen und erhielt somit auch keine Mittel für den Bau von Hochbunkern, während in den Luftschutzorten erster Kategorie (Düsseldorf, Duisburg, Krefeld) im Rahmen des Sofortprogramms bereits ab 1940 eine Vielzahl dieser monumentalen bombensicheren Betonbauten errichtet wurden. Die Richtlinie des Ministeriums überließ es den ausführenden Stellen, „die Bauwerke in Kreis- oder Vieleckform zu bauen.“ In Moers entschied man sich nach einer Idee Ludwig Eberleins für echte Rundbauten, die von der Ausführung her schwieriger, zeitraubender und aufwändiger erscheinen als eine prismatische Bauausführung. Diese kompakt wirkende runde Bauform wurde „Moerser Topf“ genannt.
Ludwig Eberlein, der promovierte Bauingenieur aus Mittelfranken, hatte 1929 in ein Moerser Bauunternehmen eingeheiratet. Er war seit „etwa Ende 1934 mit Wirkung 01.05.1033“ Mitglied der NSDAP und engagierte sich zeitweise auch finanziell (durch Spenden) für das Regime. In seinem Entnazifizierungsfragebogen gibt Eberlein im Jahr 1946 Auskunft über den sprunghaften Anstieg seines Einkommens in der zweiten Kriegshälfte – mutmaßlich ausgelöst durch die Nachfrage nach Moerser Töpfen. In der Tat wurde der „Moerser Topf“ zum Verkaufsschlager, der auch weit über Moers hinaus gebaut wurde.
Der Moerser Topf zeichnete sich durch eine einfache und einheitliche Bauweise mit einem geringen Materialbedarf aus und konnte in etwa zwei Monaten errichtet werden. Er galt aufgrund seiner runden und kompakten Form als besonders standfest und widerstandsfähig bei Bombeneinschlägen in der Nähe. Der Schutzraum eines Moerser Topfes ist immer eingeschossig sowie kreisrund und in der Mitte durch eine Betonsäule gestützt. Darin sind in der Regel drei Schächte für Zu- und Abluft untergebracht, um so mittels eines Handlüfters frische Luft ins Innere befördern zu können. Ebenfalls war an eine elektrische Beleuchtung sowie Heizung gedacht. Das oft abgewinkelt angelegte Eingangsbauwerk wie auch der obligatorische Notausgang waren von der Gestaltung her oft unterschiedlich ausgeführt – jeweils dem Gelände und den örtlichen Gegebenheiten angepasst, mussten aber immer an entgegengesetzten Seiten des Bauwerks angelegt werden.
Der Moerser Topf wurde so zu einer eigenen Bauwerksgattung, wobei jeder Topf ein Individuum ist. Es ist nicht exakt bekannt, wie viele Moerser Töpfe tatsächlich gebaut wurden. Von den 244 Luftschutzbauten in Moers waren aber wohl etwa 200 Rundbauten, die als Moerser Topf zu bezeichnen sind. Sie wurden von Eigentümern und Bunkergemeinschaften gebaut, häufig unter Einsatz von Kriegsgefangenen.
Präsident Dieter Theman dankte Klaus Zok für seinen hochinteressanten und spannenden Vortrag, der zu zahlreichen interessierten Nachfragen führte.


