20280112_„Follow the science – Klima und Gesundheit” - Moers
LF Dr. med. Patrick Stais: „Follow the science – Klima und Gesundheit”

Präsident Dieter Themann begrüßte zum Clubabend im Januar 2026 Lions-Freund Patrick Stais: Er ist Facharzt für Innere Medizin und Pulmologie mit den Zusatzbezeichnungen Schlafmedizin, Palliativmedizin sowie Allergologie und hat im Jahr 2023 den Schwerpunkt Balneologie (Bäderheilkunde) und Klimatologie im Rahmen seiner Tätigkeit als Kurarzt der Stadt Kevelaer (seit Juli 2024 ein staatlich anerkannter Kurort mit Heilquellen-Kurbetrieb) erworben. Daraus resultiert auch sein besonders Interesse an diesem Thema.
Das Thema „Klima und Gesundheit“ wird im Lichte der Diskussionen um den Klimawandel medial immer beliebter. Dies führt insbesondere in den Medien zu reißerischen Aufmachungen. So forderte Ende letzter Woche die BILD unter dem Titel „Bleiben Sie zu Hause“ auf: „Planen Sie um, bleiben Sie zu Hause. Auf den Straßen besteht am Donnerstag und Freitag Lebensgefahr!“ Als Erklärung wurde weiter groteskerweise ausgeführt „Zu Fuß kann man die Orientierung verlieren und einschneien. Man kühlt sofort aus, verliert die Kraft und erfriert.“ Aus medizinischer Sicht ist das an den Haaren herbeizogen. Dass das Klima Einfluss auf unsere Gesundheit hat, ist unbestritten. Man unterscheidet direkte und indirekte Einflüsse. Zu den direkten Einflüssen zählen aktinische Wirkungen (Licht), thermische Wirkungen (Temperatur, Wind) und lufthygienische Wirkungen (Pollen, Partikel). Indirekte Einflüsse gibt es z.B. durch den Lebensraum, die Lebensbedingungen und die Wachstumsbedingungen allergener Pflanzen.
Besonders beliebt sind auch neue statistische Rekordmeldungen über Hitzewellen, extreme Hitzetage etc. Das Problem besteht darin, dass unterschiedlich definiert wird, ab wann man z. B. von Hitzetagen spricht. Infolgedessen soll es im Rekordsommer 2024 mehr als 60.000 Hitzetote in Europa geben haben – doch wer definiert, wer als sog. „Hitzetoter“ zählt? Über Kältetote wird hingegen kaum gesprochen. Betrachtet man die Statistik des Epidemiologischen Bulletin 19 vom RKI aus Juli 2025, so zeigt diese keine besonderen Auffälligkeiten in 2024 bezüglich der hitzebedingten Sterbefälle in Deutschland, wobei die Anzahl eh nur geschätzt ist. Als Erklärung, wer in dieser Statistik als Hitzetoter zählt, erläutert die Studie: „Für Wochen mit Mitteltemperaturen über einen definierten Schwellenwert geht man von einem kausalen Einfluss der Temperatur auf die Mortalität aus.“ Ähnlich fragwürdig sind Statistiken, dass es angeblich in Europa mehr Hitzetote als Verkehrstote gibt. Während Verkehrstote relativ genau erfasst werden, werden die Zahlen für hitzebedingte Todesfälle auf Basis statistischer Modelle geschätzt. Genauso fragwürdig ist die Ableitung von Luftverschmutzungseinflüssen auf den Herztod, deren Analyse auf Umfragen unter Experten fußt. Tatsächlich gibt es nur wenige eindeutige Erkenntnisse, dass es sich um einen Hitzetod handelt wie etwa bei einem Versagen der Thermoregulation des Körpers, das zu einem klassischen Hitzeschlag oder einem Anstrengungshitzeschlag führt. Als Präventionsmaßnahmen hierzu wurden laut WDR-Bericht in der Uniklinik Düsseldorf Kühlwesten für Pflegekräfte getestet. Scheinbar sind diese besonders gefährdet.
Patrick Stais fasste zusammen: Fakt ist, das die Temperatur zunimmt und es daher mehr Hitzeperioden gibt. Erleidet man dabei einen Hitzeschlag, kann dieser tödlich enden – vorwiegend bei Säuglingen und Greisen. Statistische Zusammenhänge zwischen Hitze und negativen Gesundheitsfolgen sind evident, das Ausmaß hängt aber in der Regel von Modellierungen ab. Kausalzusammenhänge sind selten nachweisbar. Daher ist es ratsam, angeblich wissenschaftlich unterlegte Aussagen zu hinterfragen. Oft ist mehr Sachlichkeit und eine ergebnisoffene Diskussion gefragt.
P Dieter Themann bedankte sich nochmals für die spontane Bereitschaft von LF Patrick Stais und den aufschlussreichen Vortrag.


